Martin Conrad


 

Martin Conrad

Künstlerstatement und Verzeichnis Werkgruppen

Meine künstlerische Haltung hat mit der Idee der Transformation zu tun. Nicht das Interesse für Bilder die das unmittelbar Sichtbare wiedergeben, sondern was vom Sichtbaren später übrig bleibt, wenn das ursprüngliche Erlebnis vergangen ist, die Eindrücke in das Gedächtnis überführt, in das eigene Unbewußte absinken und lebendig verborgen ruhen.
In meinen Bildern arbeite ich mit der Geologie des Bildkörpers, überblende abstrakte Bildebenen mit zeichnerischen Notationen. Das Archiv der Zeichnung stammt aus unterschiedlichen Bereichen der Biologie, Archäologie, sowie alltäglichen Beobachtungen.
Die unmittelbare Gegenwart der Farbe als vorsprachliche Empfindung verknüpft mit dem Lesen der Zeichnungsfragmente sollen die eigene Assoziationsfähigkeit anregen mittels Imagination in der Erinnerung gespeicherte Bilder wachzurufen. In die Bildwelten mischen sich persönliches und kollektives Gedächtnis der Archetypen. Den Bildern wohnt keine vorbestimmte Bedeutung inne, vielmehr appellieren sie an das eigenverantwortliche Begreifen.

Oktober 2016
                                     

Die Arbeiten definieren sich aus einer gemeinsamen Struktur von Entgrenzen und Halten, einer Überlagerung von Ausdehnen malerischen Farbfelder und Einschließen der Offenheit durch lineare Strukturen.
Bewirkt die rasche Präsenz der Farbformen eine Umkehrung des vertrauten Sehens, der Hintergrund wird zum Vordergrund, so entfalten sich die transparenten Zeichnungsebenen langsam erst nach und nach. Ihre linearen Elemente sind Nachbildungen gesammelter Bildwelten, Bildpotentiale aus eigenen Archiven ethnologischen, biologischen, geografischen Zuschnitts. Das Archiv der Zeichnung ist in unterschiedliche Bereiche des Lebens horizontal geordnet und vertikal auf der Zeitachse in ältere Formen und neuere Formen des Jetzt geteilt. Auf den Bildern und Papierarbeiten werden beide Stränge in mosaikartigen Strukturen in Verbindung gesetzt. Die Abstraktion im Gegenständlichen entsteht in der Überblendung von inhaltlich Ungleichem zu strukturell Gleichem.
Im wechselnden Focus des Blicks sprechen disparat und bruchstückhaft verwebte Motive die Assoziationsfähigkeit des Betrachters an. Sie werden im Bild zu Zeichen eines visuellen Vokabulars und tragen in sich eine Bedeutungsmultivalenz ohne die Absicht eines Erklärungsmodells.
Eine künstlerische Konzeption, die die Mitarbeit zwischen Bild und Betrachter erfordert. Sie zielt auf den inneren Raum des Betrachters, in dem Erinnerung durch Imagination entsteht und die Auflösung gewohnter Sinnbezüge festgelegte Erinnerung in Frage stellt.

Juni 2011

                                      

WERKGRUPPEN
26. Felder Umschrittenwerden, 2015-2017
25. Umgänge Überdachte, 2013-2015
24. Fünfhändige Winde, 2011-2013
23. Drinnen meine S, 2008-2011
22. Metronome Ströme, 2007-2008
21. Flussnamen abhorchen, 2005-2006
20. Anfänge des Denkens obwohl, 2003-2004
19. Holzwurm in Frauenkleidern, 2002-2003
18. Flugdaten Grasinseln, 2000-2001
17. Arbeitsplatz vor mittlerer Behausung, 1998-2000
16. Dionysos bis Worms, 1997-1998
15. Kamele im Äther und Spuren im Schnee, 1995-1996
14. Gehölz Brache Jahreszeitenserie, 1993-1995
13. Kleine Tafeln rings um die Erde, 1992-1993
12. Widerschein aus dem dünnen Berg, 1989-1992
11. Erdnähe des Lichts, 1987-1989
10. Zurückgegebener Ort, 1985-1986
9. Baldanders, 1983-1985
8. Brücken am Fluss, 1981-1982
7. Nachtfahrt, 1980-1981
6. Haus auf dem Berg, 1979-1980
5. Hangwinde, 1978-1979
4. Drachen Schachtel Roller, 1976-1978
3. Wegzeichen, 1976
2. Frühmärz, 1975-1976
1. Haltepunkt Bahnsteig, 1973-1974

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