Martin Conrad


 

Sebastian Quedenbaum

Metamorphosy

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Freunde der Galerie

Ich möchte Sie ganz herzlich willkommen heißen zur Ausstellung des Malers Martin Conrad. Metamorphosy – der Titel der Ausstellung weist auf ein Motiv seiner Kunst hin: Verwandlung.

Conrad sagt über seine Arbeiten, dass sie nicht das unmittelbar Sichtbare wiedergeben, sondern das, „was vom Sichtbaren später übrigbleibt, wenn das ursprüngliche Erlebnis vergangen ist“. Bilder also als Träger von Erinnerungsspuren.

Conrad arbeitet oft an mehreren Bildern und hat dabei eine ganz eigene Arbeitsweise ersonnen: Zuerst legt er einen großflächig gemalten abstrakten Bildgrund an. Dabei hat er eine spezielle Malweise mit breiten Pinseln entwickelt, mit denen er mehrere Schichten transparenter Farbschlieren aufträgt, bis ein atmender Farbraum entsteht. Auf diesem werden dann später zeichnerisch figurative Elemente aus dem Archiv des Künstlers aufgetragen.

Warten ist ein wichtiges Element in diesem malerischen Prozess. Anstatt ein Bild durch einen naheliegenden Einfall abzurunden, schafft er offene Strukturen, die etwas Verhaltenes haben. Farbgrund und Figur wirken disparat und erzeugen einen instabilen Bildraum, der eigentlich erst im Kopf des Betrachters zusammengesetzt werden kann.

In Conrads Bildern erlebt er Sichtbares als eine Erinnerung, als eine verblassende Spur auf einem labilen Grund. Damit werden die Bilder zu Chiffren des Gedächtnisses selbst: Es ist plastisch und speichert Erlebnisse nicht wie ein Computer. Erinnerungen sind von Emotionen gefärbt und verändern sich bei jeder Vergegenwärtigung.

Unsere Erinnerungskultur ist heute im Umbruch: die gigantischen Speichermöglichkeiten führen dazu, dass immer mehr Informationen abgespeichert werden, aber Erinnerung mehr und mehr den Charakter einer identitätsbildenden Erzählung verliert. Conrad macht in seinen Bildern diese Art der Erinnerung wieder erlebbar.

Ich wünsche ihnen viel Vergnügen beim Betrachten der Bilder.


Rede Eröffnung 21.09.2018, Kunstprojekte Monica Ruppert, Mannheim

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